Jul
25

Kaum einer Stadt dürfte die Aufklärung so sehr geschadet haben wie Mainz. War es früher einmal Aufmarschgebiet für glorreiche Kreuzzüge und Ort religiösen Fanatismus, spielt sie jetzt in der 2.Bundesliga gegen Kaiserslautern und wird von Kurt Beck regiert. Impressionen aus einer sterbenden Stadt.


Die Stadt ist Pleite. Man merkt es überall. Im Mainzer Zoo wird das Becken für den Wal mit Sand gefüllt, weil Wasser zu teuer wäre. Tierschützer sind entsetzt (und zugleich fasziniert, dass der Wal darin leben kann)

 

 

 

 


Eigentlich sollten die Anschläge vom 11.September in Mainz stattfinden. Weil es dort aber außer ein paar Bäumen und nem Fluss nicht viel mehr gibt, flogen die Terroristen frustriert über den Atlantik.

 

 

 

 


Aus seinen Feinden Schrumpfköpfe zu machen, gilt in Mainz immer noch als überzeugende Meinungsäußerung.

 

 

 

 

 


In einer aufwendigen Computersimulation wurde berechnet, wie die Mainzer ihre Stadt während der Fastnacht wahrnehmen.

 

 

 

 


Reaktion auf den Pisa-Schock. Die ganze Stadt lernt! An jedem Haus wird ein Buchstabe vorgestellt, so soll der Analphabetismus auf unter 30% gedrückt werden.

 

 

 

 


Straßenbanden lassen die Stadt nicht zur Ruhe kommen. Hier überfallen die berüchtigten „Meenzer Zwerge“ eine Sparkasse und ermorden dabei drei Kunden (rechts, nicht im Bild). Passanten schauen entsetzt zu.

 

 

 

 


Urgestein. In Mainz ist der wohl älteste Friedensaktivist im Einsatz. Seit 1188 demonstriert er jeden Montag vor dem Dom gegen Barbarossa und dessen Kreuzzugspläne. Freunde nennen ihn zärtlich „einen sturen, kranken Mann.“

 

 

 

 


Dieser „Platz mit Strahler“ soll zum Weltkulturerbe ernannt werden. Niemand weiß warum, aber zugeben will keiner, dass es niemand weiß.

 

 

 

 

 


Man macht eifrig Werbung für das eigene Madame Tussauds. Auch wenn nicht alle finden, dass die Qualität überzeugt. Hier in der Fußballabteilung zu sehen, von links nach rechts: Michael Ballack, Philipp Lahm, Nihat Kahveci und Lukas Podolski.

 

 

 

 


Nirgendwo läuft es mehr für Kurt Beck. Mitte Juli stürzten die Mainzer seine Statue vom Podest.

Jun
22

Heidelberg ist ein Phänomen: obwohl die Stadt eigentlich sehr hässlich ist, gilt sie als schön. Obwohl sie im Zweiten Weltkrieg auf Seiten der Deutschen kämpfte, wurde sie nicht zerstört und obwohl ihr Wahrzeichen eine Ruine ist, reden alle vom Heidelberger Schloss:


Die Tibetmafia beherrscht die Einkaufsmeile. „Manchmal treibt der Dalai Lama das Schutzgeld persönlich ein“, erzählt ein Eiscafe-Besitzer, „der lacht wenigstens, wenn er einem die Knie bricht.“

 

 

 

 

 

 

 

 


In der Erforschung der Gentechnik ist die Universitätsstadt weit vorne. Die Koryphäe Professor Bergmann (stehend) ist dennoch nicht unumstritten. Kritiker zweifeln die Harmlosigkeit seiner Arbeit an und werfen ihm unter anderem vor, seit Forschungsbeginn um mehr als zwei Meter gewachsen zu sei. Auch seine Frau gibt zu, dass „er sich verändert hat.“

 

 

 


Seit 1207 das Maskottchen der Stadt: ‚SLUSH -der gut gelaunte Bär‘. Zwischen 1933 – 1945 nannte er sich ‚ADOLSH – der Bär aus Kruppstahl‘. Heidelberg hat ihm das nie ganz verziehen (doch).

 

 

 

 

 

 

 

 


Trauriger Rekord. Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es so viel Polizei. Es heißt, dass kein Bürgermeister ohne ihre Zustimmung „gewählt“ werden kann. Auch kommt es immer wieder vor, dass die Polizei Karstadt-Verkäuferinnen, Politiker und Busfahrer aus ihrem Amt putscht. „Dem lieben Frieden willen!“, wie es offiziell heißt.

 

 

 


Alter und nerviger Brauch. Heidelberger Bürger (hier Robert Schumann, weder verwandt noch verschwägert mit DEM Robert Schumann) befestigen traditionell ein Schild in der Hauswand, wenn sie umziehen. Viele Wände sind darum schon längst renovierungsbedürftig und Hausbesitzer vermuten, dass ihr Besitz dadurch massiv an Wert verliert.

 

 

 


Leider fast schon wieder Alltag. Wegen der hohen Benzinkosten kehrt eine Menschheitsgeisel zurück: Sprit-Piraterie. Hier wurde ein VW-Golf geentert und sein Benzin geraubt (ach ja, und der Fahrer gevierteilt).

 

 

 

 


Auch in Heidelberg anzutreffen. Die ADAC-Sekte. Sie lockt junge Frauen an ihren Stand und verspricht ihnen das Auto auf Erden. Nicht selten endet es in einer Tragödie.

 

 

 

 

 


Eigentlich sollten auf dem Marktplatz die Spiele der EM übertragen werden. Weil sich aber Heidelberg nicht qualifiziert hat und weil es sich auch nicht um die Lieblingssportart Robbenwerfen handelt, verirren sich höchstens ein paar Touristen aus Norwegen hierher, die dachten, dass hier die Robbenwerf-Meisterschaft live übertragen wird.

 

 

 


Überall dasselbe. Drei Jugendliche mit Migrationshintergrund bedrohen eine Rollstuhlfahrerin.

 

 

 

 

 

 


Als einziges Land der Welt erkennt Libyen die Eigenstaatlichkeit von Heidelberg an. Momentan besucht Gaddafi die Stadt.

Mai
17

Rostock-Warnemünde ist eine Stadt, zu der die Zeit nicht gut war. Gerade erst sind ihre Fußballer vom „Sportclub zum fröhlichen Hooligan“ aus der Bundesliga abgestiegen, dann müssen die Bewohner damit leben, dass ihr Meer noch nicht einmal Ebbe-und-Flut-fähig ist und nun macht sich auch langsam Nervosität breit, weil schon seit Jahren keine neuen Anweisungen aus Moskau kamen. 


In Zeiten leerer Kassen eine geniale Idee: Gehwege werden nicht mehr teuer ausgebessert, sondern mit einem Schild angekündigt. „Mehrere Studien haben ergeben, dass die Anschaffung eines winzigen Hinweisschildes günstiger ist als die ganze Straße aufzureißen“, erklärt der Bürgermeister zufrieden.

 

 

 

 


 

Das Meer macht stur. Dieser Herr setzte sich 1964 in den falschen Zug, und kam statt in Danzig in Warnemünde an. Unfähig, den Fehler einzusehen, baute er sich eine bizarre Gegenrealität auf.

 

 

 

 


Rostock – immer einen Schritt zu spät. Gerade als man den antifaschistischen Schutzwall endlich so gut wie fertig hatte, machte die DDR schlapp. Dabei hätte wirklich nicht mehr viel gefehlt.

 

 

 

 

 


An dieser Stelle entstehen, EU gefördert, bis 2017 blühende Landschaften.

 

 

 

 

 

 


„Neptun, Herrscher der Wellen, Vater der Gezeiten, hörst du mich? Ich habe einen Barsch gefangen, der ist so groß!“ Die Ostsee-Deutschen stehen in engem Kontakt mit den Göttern des Ozeans. Bis heute gilt Mecklenburg-Vorpommern im Vatikan als noch nicht missioniert.

 

 

 

 


Die Skyline von Rostock-Warnemünde.

 

 

 

 

 

 


Stolz präsentiert das „Museum des Kalten Krieges“ erbeutete West-Produkte (Made in China).

 

 

 

 

 


Originalität liest sich anders. Insgesamt gibt es drei Straßennamen in Rostock-Warnemünde: Querstraße (44 mal), Diagonalweg (26 mal) und Parallelallee (13 mal).

 

 

 

 


Auch das ist der Osten: Gerne würde die Stadt an dieser Stelle ein Kurhotel für asthmakranke Kinder bauen. Mit kostenloser Behandlung und Betreuung. Die Bagger sind schon da, es könnte längst los gehen – wenn das Ehepaar Werners nur endlich bereit wäre, sich fünf Meter weiter links hinzulegen. Leidtragende sind mal wieder die Kinder…

 

 

 


 

Unsere Politiker und ihre Nebentätigkeiten. Was kaum einer weiß, Kurt Beck ist an der Ostsee gerade zum zweitbeliebtesten Versicherungsvertreter gewählt worden.

Apr
10

Wolfsburg wurde 1938 gegründet, um den deutschen Herrenmenschenfamilien arische Autos zu liefern, mit denen sie Blitzurlaub in den Ostgebieten machen konnten. Noch heute zeichnet sich die Stadt vor allem durch ihre Inselbegabung aus: sie kann Autos bauen. Mehr nicht. Auf Spaß, Kultur und spannende Ecken verzichtet sie, und konzentriert sich ganz auf Reifen, Motoren und Gaspedale. Es folgen ein paar Impressionen aus der Arbeiter-, und Autostadt Wolfsburg.


Kontrovers. Um die neue Wolfsburger Moschee wird heftig gestritten. Rechtspopulisten nennen sie „zu kitschig.“

 

 

 

 

 

 

 


Klassiker beim Idiotentest: „Wenn Sie dieses Bild mit einem einzigen Wort beschreiben sollten, welches wäre das?“ (Tipp: Wer Autostadt sagt, fällt durch.)

 

 

 

 

 

 

 


Manches ändert sich nie. Die Rassenautomaten waren eine Erfindung der Nazi-Gründerväter. Im Parkhaus sollte jede Rasse rassengerecht zur Kasse gebeten werden. Weil das Preissystem bis heute nicht geändert wurde, hat die EU angemahnt, dass es gegen geltendes Recht verstößt, wenn nicht-Arier für eine Stunde parken 394% mehr bezahlen müssen.

 

 

 

 


Weil man in Wolfsburg für den Tag X plant, an dem die Fabrik schließen wird, werden systematisch Kaninchen ausgesetzt. Der Grund: ein Ökonom hat vorausgesagt, dass jedes Autozeitalter von einem Kaninchenzeitalter abgelöst wird. Beweise hat er keine, und Gegenbeweise gibt es nicht, was er zu seinen Gunsten auslegt. „Wir müssen bei denen Sympathiepunkte sammeln, solange es noch geht“, erklärt er immer wieder.

 

 

 

 


Wobei in Wolfsburg aber in Wahrheit eben doch nicht nur Autos gebaut werden. Beispielsweise läuft hier gerade die neuste Generation von Rentnern über die Laufbänder einer gläsernen Fabrik.

 

 

 

 

 

 


Willkommen in Wolfsburg! Eine Werbeagentur wurde beauftragt, die klassische Wolfsburg-Postkarte einladender zu Gestalten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Wir haben den ICE bewusst als farblichen Kontrast gewählt, das wirkt dynamisch, modern, cool. Mehr durften wir nicht ändern.“

 

 

 

 

 

 


Sogar der Mond leuchtet VW. Es soll Menschen in Wolfsburg geben, die diese Berieselung nicht mehr ertragen können und von Gehirnwäsche reden. Offizielle Stellen dementieren aber, dass es solche „Widerstandsnester, die wir ausräuchern werden“ gibt.

 

 

 

 

 

 


Der alte Streit. Die Fahrgäste fordern seit Jahren eine Verschiebung der Haltestelle um zwanzig Meter. Die Busfahrer sind dagegen. „Ohne Grund, einfach so.“, wie sie betonen. Manchmal stehen sich beide Seiten stundenlang gegenüber, ehe es kalt und dunkel wird, und die Fahrgäste nachgeben.

 

 

 

 

 


Zunehmend wird die Autostadt von Touristen entdeckt. Die Schattenseite: Die Weltkugel im VW-Haus verkommt immer mehr zu einem billigen Foto-Gag, ähnlich wie der Schiefe Turm von Pisa. Noch kann der Konzern gegen diese Herabwürdigung mit der Prügelstrafe vorgehen. Doch wenn das VW-Gesetz tatsächlich gekippt wird, ist es auch damit vorbei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ironisch nimmt die BILD-Zeitung Bezug darauf, dass Kolumbus beim heutigen Wolfsburg in der Annahme an Land ging, Amerika entdeckt zu haben. Seine Enttäuschung war grenzenlos, als ihm schließlich klar wurde, dass es sich dabei noch nicht einmal um Indien handelte.

Feb
10

Martin Luther ist für Katholiken das, was Yoko Ono für die Fans der Beatles ist. Gewirkt hat der Reformator in Wittenberg; einem Ort, zu dem die Zeit nicht gut war. Einem Ort, der von der Erinnerung an Zeiten lebt, in denen Juden noch Gottesmörder und Rothaarige Hexen waren, kurzum, einer Zeit, in der die Wittenberger fremde Reisende noch öffentlich hinrichten konnten, anstatt sie als Touristen am Leben lassen zu müssen. Es folgen einige Impressionen:

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Nicht auf alle Neuerungen, die aus Wittenberg kommen, ist man in Wittenberg stolz. Gerne wird darüber geschwiegen, dass hier Sebastian Klan 1806 den Ku-Klux-Klan gründete (damals noch in schwarz/gelb mit Trommel).

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„Fight Antisemitism“, oder: Luther würde sich im Grabe umdrehen

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1975 versuchte die DDR einen Satelliten ins All zu schießen. Er stürzte über Wittenberg ab. Nur der Torso blieb erhalten. Weil die DDR-Regierung aber nie die Behauptung zurückgenommen hat, dass es kein Weltraumprojekt gab („Niemand hat die Absicht, einen Satelliten zu bauen“), traut sich niemand das Wrack zu beseitigen.

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Offiziell wird es zwar nicht zugegeben, aber man mag die Katholiken bis heute nicht. Die heruntergekommene katholische Kirche ist ein stummer Beweis dafür, auch wenn der Pfarrer trotzig behauptet: „Wir werden nicht verfolgt.“

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Das berühmte Luther-Denkmal wird heute als Touristenfalle missbraucht. Für 5 Euro darf sich jeder mit dem bekennenden St.Pauli Fan fotografieren lassen.

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Der große Reformator erstickte an einer verschluckten Faust. Tragisches Ende einer alkoholschwangeren Wette.

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Wittenberg hat sich viel von seinem mittelalterlichen Charme bewahrt. Im Vordergrund verabschieden stolze Eltern ihre Kinder ins Schullandheim.

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Fakten contra Gerüchte: In Wahrheit wurden die 95 Thesen an die Betonwand gesprayt und nicht an die Kirchentür genagelt.

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Rathausplatz, Samstag mittag, 12.00 Uhr. Der Scientology-Gründer L. Ron Hubbard ist mit einem primitiven Ufo auf die Erde zurückgekehrt und ruft die Menschen auf, sein neues Buch („100 tolle Gesellschaftswitze“) zu kaufen. Die Frage, warum er mittlerweile schwarz ist, will er nicht beantworten.

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In Wittenberg bekommt jeder eine zweite Chance

Dez
31

Oggersheim hatte es nie leicht. Es fing schon damit an, dass der Heiland aus einer Laune heraus diesen Ort verfluchte: „Feuer und Gift sollen eure Luft verpesten.“ Jesus behielt recht und die BASF ist heute die letzte noch aktive biblische Plage. Doch wie alle Plagen, hat auch diese ihre Vor- und Nachteile. Als Vorteil stellte sich heraus, dass Oggersheim für religiöse Fanatiker ein Wallfahrtsort wurde, was viel Geld in die Kassen spühlte. Der Nachteil besteht darin, dass -nun ja- viele religiöse Fanatiker die Stadt besuchen. Bekannt ist Oggersheim auch als Graustadt, was sie dem lebensverneinenden Himmel zu verdanken hat, der sich zu jeder Jahreszeit in kräftigem grau präsentiert. Der berühmteste Oggersheimer ist laut einer deutschlandweiten Umfrage der wütende Mann, der am Bahnhof immer auf der Bank sitzt und schimpft. Danach kommt die verrückte Frau am Fenster und an dritter Stelle Helmut Kohl (ehemaliger Bundeskanzler). Es folgen einige Impressionen:

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Lange Zeit wurde überlegt, ob an diesem Platz ein Flughafen, oder ein supermodernes Einkaufszentrum mit Kino und Eislaufbahn entstehen soll. Schließlich setzten sich aber die Grünen mit ihrem Projekt „Gestrüpp“ durch.

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Weil Helmut Kohl immer wieder den anderen Teilnehmern der Töpferkurse das Schwarzgeld aus der Tasche klaute, musste das Jugendzentrum einen Zaun bauen. „Manchmal kommt er gefährlich nah ran und fragt, ob er am nächsten Kurs teilnehmen darf, aber im allgemeinen sind wir gut geschützt.“, meint der Zivi Martin.

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Oggersheim im Frühjahr 2007: Forscher haben es geschafft, Bäume zu züchten, die immer so aussehen, als seien sie trauertragende Klageweiber. „Das entspricht unserer Mentalität“, hieß es dazu zustimmend im der Lokalpresse. Bald soll es auch bei Blumen einen Durchbruch geben.

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Als im 19.Jahrhundert plötzlich überall auf der Welt Tunnel und Kanäle gebaut wurden, wollte da auch Oggersheim nicht nachstehen. Der sieben Meter lange, zwei Meter breite und drei Meter hohe Tunnel „Birne“ sollte zwei Gebäude miteinander verbinden. 2003 wurde das Projekt abgebrochen. Es war ein Desaster, noch heute kann der Rohbau bestaunt werden.

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Von Prüderie keine Spur. Wer hier was zu verbergen sucht, macht sich verdächtig.

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Für Oggersheimer ist Meinungsfreiheit ein hohes Gut. Darum werden antinationalsozialistische Parolen durchgestrichen. Recht so, was ist das auch für eine Diskussionskultur nur zu kritzeln: „Kampf dem Faschismus.“

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Man würde ja gerne was gegen die hohe Geburtenrate von 11, 4 Kindern pro Frau tun, aber weil es seit den 1960ern einen Streit mit der Kondom-Lobby gibt (um was es dabei geht, weiß keiner so genau), bleiben Lieferungen aus oder es wird nur defekte Ware (rechts) verkauft. Sobald die neun Kinder groß sind, will sich der Bürgermeister um ein Ende des Streits bemühen.

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Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Unter dem Raben steht: „Führt nie wieder Krieg, euer Rabe Hans!“ Nicht alle waren mit diesem Konzept des Mahnmals einverstanden.

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Königreichssaal oder: Die Zeugen Jehovas mit den eigenen Waffen schlagen.

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Um ein Haar entging Oggersheim 2003 einer Katastrophe. Weil die amerikanischen Geheimdienste in diesem Gebäude eine geheime Atomanlage vermuteten, sollte bombardiert werden. Zum Glück brach aber noch rechtzeitig der Irakkrieg aus, ehe die B-2 Bomber ihr Ziel erreichten und sie drehten gen Bagdad ab. (Interessante Notiz am Rande: Bis heute weicht das Rathaus der Frage aus, um was es sich bei dem Gebäude tatsächlich handelt.)

Aug
22

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Mythos Nazi. Gibt es ihn überhaupt, und wenn ja, wo? Die Nachrichten über seine Sichtung ähneln sich oft bis ins Detail. Er hinterlässt verprügelte oder getötete Afrikaner, Türken oder ganz allgemein Ausländer. Zeugen sprechen davon, dass er durch rechtsradikale Sprüche, SS-Runen und Glatzen auf sich aufmerksam macht. Und wenn er sich wohl fühlt, schafft er sich national befreite Zonen. Doch kaum wollen Journalisten, Zoologen oder Sozialarbeiter über diese sonderbare Spezies berichten, ist sie schon wie vom Erdboden verschluckt. Aktuell ist dies in Mügeln zu erleben.

Ein Rudel Nazis soll da ungezwungen einer Herde Inder nach gejagt sein und dabei ausländerfeindliche Parolen gebrüllt haben. Doch obwohl das vom Verhalten her recht eindeutig klingt, will keine offizielle Stelle bestätigen, dass sich in Mügeln, oder in den Sümpfen um Mügeln herum, tatsächlich Nazis angesiedelt haben. Warum eigentlich nicht? Zuerst einmal, weil der Nazi ein scheuer Zeitgenosse ist. Bürgermeister fürchten sein Verschwinden, wenn er sich durch Medienaufmerksamkeit gestört fühlt. Schützenvereine bangen um ihre Mitgliederzahlen, Volksfeste um Besucher, sächsische Kinder um ihre Väter. Kurzum: Alle hätten was zu verlieren, wenn der Nazi weiterziehen oder gar aussterben würde…Soweit das Klischee. Doch was ist da eigentlich genau dran?

Machen wir doch einmal den Realitätstest. Und zwar am Beispiel des Städtchen Mügeln. Der Bürgermeister behauptet, es gäbe dort keine rechtsradikalen Strukturen. Klingt zwar im ersten Moment merkwürdig, aber es gibt vieles, was diese These stützt. Denn was ist in Mügeln genau passiert? Mehrere Inder wurden durch die nazifreie Stadt getrieben und angegriffen. Dazu brüllte die Meute: „Hier regiert der nationale Widerstand.“ Das klingt schon einmal gar nicht nach Nazis, die hätten eher aus „Deutschland – Ein Wintermärchen“ oder „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ vorgelesen.

Bei einem Blick auf die tendenziöse Art der Berichterstattung kann außerdem nicht übersehen werden, dass da eine ganze Bevölkerungsgruppe (indienkritische Deutsche) kriminalisiert werden soll. Gibt es nicht gute Gründe, Indien nicht nur durch die Bollywoodbrille zu sehen? Stichworte: Kastensystem, Witwenverbrennungen und überall rumstehende Kühe. Was für die einen „Nazis“ sind, sind für den anderen vielleicht engagierte Bürger, die ein Problem damit haben, dass in Neu-Delhi Hunderttausende in ärmlichsten Verhältnissen leben müssen.

Und überhaupt kommt dieser multikulturelle Abend in Mügeln etwas arg negativ weg. Da heißt es in einer Pressemeldung lapidar „Die Angreifer traten die Tür der Gaststätte ein. Rund 70 Polizeibeamte drängten die Angreifer dann ab. Bei den handgreiflichen Auseinandersetzungen wurden acht Inder und vier Deutsche verletzt. Zahlreiche Schaulustige hatten sich den Überfall mit angesehen, ohne den Verfolgten zu helfen.“ Aber dass die Schaulustigen auch den Verfolgern nicht halfen, wird nicht erwähnt. So kann man natürlich alles schlecht schreiben.

Wichtig ist auch, was der Bürgermeister noch anmerkt: „Der Alkohol hat um diese Zeit eine Rolle gespielt – und außerdem war plötzlich mal was los.“ Und weil man weiß, dass der Alkohol noch aus jedem einen Ausländerfeind gemacht hat, und halt auch nix los war, gibt es auch keinen Grund, wegen diesem etwas wüsten Spaß so ein mediales Geschrei zu veranstalten. Heut sind doch eh wieder alle nüchtern.

Die Beweise sind erdrückend, dass es in Mügeln keine Nazis gibt. Und weil man das eigentlich über jede Stadt, in der in den letzten Jahren Mitternachts-, Abend-, Frühmorgen-, und Zwischendurchpogrome stattfanden, sagen kann, drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Gibt es überhaupt Nazis? Oder sind die gar ausgestorben. Wenn selbst in der sächsischen Steppe keine lebenden Exemplare mehr aufzufinden sind, steht das zu befürchten. Womit direkt nach dem chinesischen Flussdelfin eine weitere Tierart die Weltbühne verlassen hätte. Es liegt bei den Wissenschaftlern zu deuten, ob ihr dahinscheiden zu bedauern ist, oder nicht. Wir Laien aber stehen vor einem ganz anderen Rätsel. Wer sind eigentlich die Leute, die da ständig Ausländer angreifen und töten, und alles, was sie für undeutsch halten, nun ja, angreifen und töten? Staubsaugervertreter, Quäker oder doch die Macher der Sportschau?