Nazis gibt es doch gar nicht

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Mythos Nazi. Gibt es ihn überhaupt, und wenn ja, wo? Die Nachrichten über seine Sichtung ähneln sich oft bis ins Detail. Er hinterlässt verprügelte oder getötete Afrikaner, Türken oder ganz allgemein Ausländer. Zeugen sprechen davon, dass er durch rechtsradikale Sprüche, SS-Runen und Glatzen auf sich aufmerksam macht. Und wenn er sich wohl fühlt, schafft er sich national befreite Zonen. Doch kaum wollen Journalisten, Zoologen oder Sozialarbeiter über diese sonderbare Spezies berichten, ist sie schon wie vom Erdboden verschluckt. Aktuell ist dies in Mügeln zu erleben.

Ein Rudel Nazis soll da ungezwungen einer Herde Inder nach gejagt sein und dabei ausländerfeindliche Parolen gebrüllt haben. Doch obwohl das vom Verhalten her recht eindeutig klingt, will keine offizielle Stelle bestätigen, dass sich in Mügeln, oder in den Sümpfen um Mügeln herum, tatsächlich Nazis angesiedelt haben. Warum eigentlich nicht? Zuerst einmal, weil der Nazi ein scheuer Zeitgenosse ist. Bürgermeister fürchten sein Verschwinden, wenn er sich durch Medienaufmerksamkeit gestört fühlt. Schützenvereine bangen um ihre Mitgliederzahlen, Volksfeste um Besucher, sächsische Kinder um ihre Väter. Kurzum: Alle hätten was zu verlieren, wenn der Nazi weiterziehen oder gar aussterben würde…Soweit das Klischee. Doch was ist da eigentlich genau dran?

Machen wir doch einmal den Realitätstest. Und zwar am Beispiel des Städtchen Mügeln. Der Bürgermeister behauptet, es gäbe dort keine rechtsradikalen Strukturen. Klingt zwar im ersten Moment merkwürdig, aber es gibt vieles, was diese These stützt. Denn was ist in Mügeln genau passiert? Mehrere Inder wurden durch die nazifreie Stadt getrieben und angegriffen. Dazu brüllte die Meute: „Hier regiert der nationale Widerstand.“ Das klingt schon einmal gar nicht nach Nazis, die hätten eher aus „Deutschland – Ein Wintermärchen“ oder „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ vorgelesen.

Bei einem Blick auf die tendenziöse Art der Berichterstattung kann außerdem nicht übersehen werden, dass da eine ganze Bevölkerungsgruppe (indienkritische Deutsche) kriminalisiert werden soll. Gibt es nicht gute Gründe, Indien nicht nur durch die Bollywoodbrille zu sehen? Stichworte: Kastensystem, Witwenverbrennungen und überall rumstehende Kühe. Was für die einen „Nazis“ sind, sind für den anderen vielleicht engagierte Bürger, die ein Problem damit haben, dass in Neu-Delhi Hunderttausende in ärmlichsten Verhältnissen leben müssen.

Und überhaupt kommt dieser multikulturelle Abend in Mügeln etwas arg negativ weg. Da heißt es in einer Pressemeldung lapidar „Die Angreifer traten die Tür der Gaststätte ein. Rund 70 Polizeibeamte drängten die Angreifer dann ab. Bei den handgreiflichen Auseinandersetzungen wurden acht Inder und vier Deutsche verletzt. Zahlreiche Schaulustige hatten sich den Überfall mit angesehen, ohne den Verfolgten zu helfen.“ Aber dass die Schaulustigen auch den Verfolgern nicht halfen, wird nicht erwähnt. So kann man natürlich alles schlecht schreiben.

Wichtig ist auch, was der Bürgermeister noch anmerkt: „Der Alkohol hat um diese Zeit eine Rolle gespielt – und außerdem war plötzlich mal was los.“ Und weil man weiß, dass der Alkohol noch aus jedem einen Ausländerfeind gemacht hat, und halt auch nix los war, gibt es auch keinen Grund, wegen diesem etwas wüsten Spaß so ein mediales Geschrei zu veranstalten. Heut sind doch eh wieder alle nüchtern.

Die Beweise sind erdrückend, dass es in Mügeln keine Nazis gibt. Und weil man das eigentlich über jede Stadt, in der in den letzten Jahren Mitternachts-, Abend-, Frühmorgen-, und Zwischendurchpogrome stattfanden, sagen kann, drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Gibt es überhaupt Nazis? Oder sind die gar ausgestorben. Wenn selbst in der sächsischen Steppe keine lebenden Exemplare mehr aufzufinden sind, steht das zu befürchten. Womit direkt nach dem chinesischen Flussdelfin eine weitere Tierart die Weltbühne verlassen hätte. Es liegt bei den Wissenschaftlern zu deuten, ob ihr dahinscheiden zu bedauern ist, oder nicht. Wir Laien aber stehen vor einem ganz anderen Rätsel. Wer sind eigentlich die Leute, die da ständig Ausländer angreifen und töten, und alles, was sie für undeutsch halten, nun ja, angreifen und töten? Staubsaugervertreter, Quäker oder doch die Macher der Sportschau?

23 Responses to “Nazis gibt es doch gar nicht”

  1. Das Geilste war eine Meldung im Radio heute, wo erklärt wurde: „Mit Nazis wollen wir nichts zu tun haben — mit Ausländern allerdings auch nicht.“

  2. Es ist für die Einschätzung des Sachverhalts wichtig, ob es Nazis waren oder nicht.

    Die öffentlichen Medien haben diese Frage gestellt, aber wenig gefunden, was auf Nazis hindeutet. Ein Thor-Steinar Shirt wird bspw. von Henryk Broder bemüht, andere zitieren rechtsradikale Rufe. Eine dünne Beweislage, da die Journalisten wenig gefunden, aber sicherlich viel gefragt haben.

    Du stellst leider überhaupt nicht die Frage: „Was ist passiert?“. Interessiert Dich die Antwort darauf nicht oder nur wenig? Schreibst Du tendentiell, weil auch ein falsch verstandener oder formulierter Vorfall für pädagogische oder publizistische Zwecke erfolgreich genutzt werden kann? Weils für eine gute Sache ist? Oder weils eh alles Nazis sind?

  3. Auch wenn ich lange nicht mit allen Beiträgen hier übereinstimme, dieser ist gut geschrieben. Danke dafür!
    @Hamster: Es ist für die Einschätzung des „Sachverhalts“ scheissegal, ob es Nazis waren oder Linke oder Kartoffelbauern! Fakt ist, daß ein aufgebrachter Mob Menschen massivst bedroht hat, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben. Klar soweit?

  4. Da erwartest du von Hamster aber verdammt viel. Aber keine Angst er gehört nicht zu den Nazis, er gehört zu den edelsten aller Linken, den Antideutschen. Seine Kommentare bei PI sind immer wieder einen zweiten Blick wert. ;)

  5. Nun ja, wenn ich nicht gerade für PI, die Junge Freiheit oder Störtie schreibe, dann lese ich gerne schon mal hier mit und erläutere dann bspw. im Kommentarbereich warum ein an und für sich guter Text (möglicherweise ;) ) abgelehnt worden ist, obwohl er so mächtige rhetorische Fragen wie bspw. „Wer sind eigentlich die Leute, die da ständig Ausländer angreifen und töten, und alles, was sie für undeutsch halten, nun ja, angreifen und töten?“ enthält, Fragen, die aufrütteln so zu sagen.

  6. Mal eine Frage : kennst du die Gegend eigentlich über die du hier schreibst ?
    Ich meine, ich stamme aus der Gegend und bin immer wieder froh, wenn ich nicht allzu lange bleiben muss … es tut mir auch leid wegen dieser Ansicht, aber ich sehe, wie es hier abwärts geht und da sind Feststellungen wie : „Nazis gibt es nicht“ der reinste Hohn !
    Da kann dein Artikel noch so profund geschrieben sein – die Realität auf der Straße, also die die sicht zeigt, solange eben keine Kamera darauf gerichtet ist, sieht leider ETWAS anders aus !
    Trotzdem danke für die Mitteilung deiner Ansichten !

  7. @ chr,

    Hast Du den Text überhaupt gründlich gelesen? Wenn nicht, dann lese ihn noch einmal und noch einmal und noch einmal … bis Dir etwas auffällt.

  8. Der Text war ja auch ein wenig missverständlich, aber auf das Beste kompensiert durch die Form.

    Aber mal im Ernst: Da waren keine Nazis am Start, das war wieder typisches deutsches Eigentor-Verhalten (vgl. auch den Fall Ermyas), vermutlich sollen auch Ostdeutsche ein wenig in die Mangel genommen werden.

  9. Ich habe den Text gründlich gelesen – ich wollte lediglich meine Ansicht hinzufügen … müssen Ansichten zum Thema immer genau EINEM roten Strang folgen ? ich glaube nein ;)

  10. Anmerkung: Der Bürgermeister von Mügeln, Herr Deuse ist in der FDP, was mich zur Überlegung bringt:
    1. Was ist das für eine Stadt, die einen FDP-Bürgermeister hat?
    2. Vielleicht ist Herr Deuse nur in der FDP, weil NPD im Lebenslauf eher negativ auffält…

  11. Da werden 8 Leute nur wegen Ihrem Aussehens verprügelt (die Schläger werden wohl kaum die Ausweise vorher überprüft haben), die ganze Welt hört davon und die Diskussion dreht sich darum, ob die Täter Nazis waren oder nur ‚besoffene Deutsche’… jedenfalls waren es Rassisten und das ist doch das schlimme…

  12. „Da werden 8 Leute nur wegen Ihrem Aussehens verprügelt…“

    Dir ist klar, dass diese Aussage – sollte sie falsch sein bzw. unbelegt bleiben – strenggenommen Rassismus gegen Deutsche darstellt?

    „jedenfalls waren es Rassisten und das ist doch das schlimme…“

    Wie kommst Du darauf?

    Weisst Du, ich habe ja eigentlich auch keine Lust mich in dieser Sache zu exponieren und auf Klärung des Sachverhalts zu drängen, dabei auch noch die Verleumdungsmethodik eines bestimmten Journalistentums aufzudecken (das natürlich auch wiederum primär die Nachfrage bestimmter Lesergruppen befriedigt, was ja auch legitim ist – wegen des zu vermutenden Selbsthasses von Teilen der Leserschaft bleibt aber ein unangenehmer Beigeschmack), und das Risiko einzugehen zu irren (vielleicht finden sich ja noch pol. motivierte Deutsche unter den Tätern (und/oder Polizisten ;) ) mit einem NPD-Parteibuch ;) ).

    Ich möchte nur auf die Mechanismen aufmerksam machen, die hier greifen, die auch Profite generieren für die Medien.
    Und widersprechen können die Politiker, die Einsicht haben in die Sachverhalte, auch nur sehr schwer, denn wenn sie irren, auch in Einzelpunkten, könnte die Karriere zu Ende sein, also machen viele Politiker gute Miene zum bösen Spiel.

  13. Mit solchen Leuten, die völlig an der Sache vorbei irgendetwas schreiben, sollte man sich mal beschäftigen. Ist das ein allgemein-gesellschaftliches Phänomen?
    http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,501983,00.html

  14. Ich sehe eigentlich nicht, warum das an der Sache vorbeigeht. Und inwiefern „beschäftigen“?

  15. „Beschäftigen“, weil dieser Fall (Mügeln) symptomatisch ist für extrem unfaire Berichterstattung. Bspw. lautet der Titel „Verlogene Rituale“, da wurde ich hellhörig und interessiert, stellte dann aber leider fest, dass der Artikel selbst einem verlogenen Ritual folgt.
    Oder der Satz „Wenn ein Mob Ausländer angreift, ist das eine rechtsextreme Tat“, der stempelt jede AUseinandersetzung zwischen Mobs dann zur „rechtsextremen Tat“, wenn:
    - eine inländishce auf eine ausländische Gruppe trifft
    - die deutsche Gruppe gewinnt (das ist dann in der „Angriff“)
    Da hackt es doch.
    Aber der Autor meint es ernst, in der Einleitung liest man „Dies alles verstellt nur den Blick auf die nackten Tatsachen: Es war ein rechtsradikaler Angriff, solche Angriffe sind systematisch – und sie werden nicht ernst genug genommen.“.
    Tja, woher weiss der Autor, dass es ein rechtsradikaler Angriff war? (Er folgt seiner Definition. (Die natürlich völlig an der Sache vorbei geht.))

    Dann die Überschrift „Rechte als Speerspitze eines klammheimlichen Mehrheitswillens“, sowas ist aufschlussreich, da wird das päd. Element erkennbar und der Selbsthass. Die Wortwahl ist zudem ekelerregend.

    Zu Mügeln also nichts Neues, der Text schien schon vorher bereitzustehen, vielleicht seinem Buch entnommen und auf Mügeln zurechtgeschnipselt, da kann eine Beschäftigung mit der Sache Mügeln nur schaden, mag sich der Autor gedacht haben.

  16. Die ersten Namen (Ex-Politiker ;) ) wagen sich aus der Deckung:
    http://www.faz.net/s/Rub61EAD5BEA1EE41CF8EC898B14B05D8D6/Doc~E80B298588D324AB3A2A25D1D716419F4~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Die „Hetzjagd durch die Stadt“ ging über 30m, LOL. „Neue Programme mehr Geld“, ja Eggert scheint ganz OK zu sein.

  17. Zur Ergänzung:

    Auch einer der betroffenen Inder hatte Mühe, in acht Jahren Ärger mit einem einzigen Nazi zu bekommen.
    Diese perfide Taktik sollte uns aufhorchen lassen.

    Da lebt der gute Inder acht Jahre lang im schlimmsten Zonenrandgebiet, und nicht ein einziger Sachse tut ihm was.
    (Vielleicht lügt der Inder?!)

    Auch scheint in Mügeln ein ganz krasses Versteckspiel abzulaufen. Der einzige Jugenclub in der Stadt wird von verkleideten Nazis betrieben, die sich als „Linke“ ausgeben.

    Nicht zu vergessen: Einer der Inder behauptet glatt, die Leute in Mügeln wären friedlich.

    Das deutet alles auf eine gewaltige Verschwörung hin und man kann sehr schön sehen, wie braun diese Gegend wirklich ist.

    Die stecken alle unter einer Decke!!!

  18. Ja, ich glaube ich kann es jetzt halbwegs auf den Punkt bringen, was mich an der ganzen Sache massiv stört, danke Gideon für den zur Verfügung gestellten Webspace!

    Also, es ist die Sach- und insbes. die Medienbearbeitung, die „Mügeln“ erfahren hat, diese scheint mir ungerecht im Sinne von unrichtig. Ich nehme mal vereinfachend an, dass sich rechtsradikale Hintergründe (politisch motivierte Kriminalität – rechte Gewalt, „PMK-r“ ;) ) nicht nachweisen werden lassen, hier mag ich irren, aber ich will diesen Fall unbearbeitet lassen, d.h. ich interessiere mich für den von „Mügeln“ abgeleiteten Gebrauchsfall „Deutscher Mob gerät mit ausländischem Mob aneinander und setzt sich durch“ und dessen Sachbearbeitung und speziell dessen mediale Aufarbeitung.
    Den oben beschriebenen Sachverhalt gegeben wäre es unmöglich dann wahrheitsgemäss über rechtsradikal motivierte politische Gewalt zu schreiben oder sprechen und dementsprechende Essays (oder andere Publikationen) zu verfassen. Warum geschieht das trotzdem, warum empört sich El Hamster darüber?

    Da muss etwas ausgeholt werden.

    Also, in der Schule haben viele gelernt, dass wenn zwei oder mehrere Schüler aneinandergeraten, sich streiten, dass dann oft die Bestrafung aller Beteiligten den Lehrkräften angeraten erscheint. Der Klügere hätte eben nachgeben oder weg rennen oder sich beim Lehrer melden sollen.
    Der schlaue bzw. entsprechend angepasste Schüler verhält sich dementsprechend und antizipiert Problemsituationen, beugt also vor.
    Ist ihm das unmöglich, so hat er ein Problem.

    Im Arbeitsleben werden Streitereien (auch und gerade wenn es ausschliesslich um die Sache geht) von so genannten Mediatoren (das dürfen auch an der Sache unbeteiligte Fachvorgesetzte, bspw. aus dem Management oder gar aus dem gehobenen Management (Vorstand) sein) ganz ähnlich gelöst, die so genannte Schuldfrage (die bei näherem Betrachten durchaus relevant wenn nicht gar bestimmend ist) wird ganz bewusst ausgeklammert und zusammen wird „konstruktiv“ und „zielführend“ nach Problemlösungsstrategien, Ritualen und Zeremonien mit all dem anschliessenden Brimborium gesucht. Schliesslich werden „Lösungen“ gefunden und das Leben geht weiter bzw. der Laden läuft weiter, entweder besser oder schlechter oder gleich gut, was die Effizienz der „Lösung“ bestimmt. Meist schlechter, wenn der Problemkern unbearbeitet blieb und nur verdrängt wurde.
    Problematisch wird es übrigens für einen Arbeitnehmer, wenn sich mehrere Personen zusammen tun und dann zeitlich leicht versetzt (geplant? ;) ) Streitereien herbeiführen, dann wird der mehrfach involvierte Streit-Teilnehmer immer verlieren, eben wegen der skizzierten Problemlösungskultur. Da die Schuldfrage ausgeklammert wird, gewinnt der Sachverhalt „Person P entwickelt erhöhtes Betreuungsbedürfnis“ an Bedeutung, keinesfalls zum Nutzen des mehrfach in Streitigkeiten Involvierten.

    In der Politik gelten zumindest für die zivilisierten europäischen Staaten ganz ähnliche Grundsätze, „Versöhnen statt Spalten“ könnte als Überschrift für Dialoge und Problemlösungstreffen taugen, zumindest sofern diese in der (west- ;) )europäischen Gesellschaft geübt werden und wurden. Diese Herangehensweise ist seit vielleicht 40 Jahren Mode bzw. mittlerweile kulturell fast zwingend – ob das jetzt den 68er zu verdanken ist oder der evangelischen Sozialisation, die in den Siebzigern dominierte oder einem allgemeinen Werte-Relativismus sei dahingestellt, hier mögen andere gerne spekulieren.
    Die Bürger nehmen allgemein bereits in jungen Jahren das „Wissen“ auf: „Wenn zwei sich streiten, dann haben beide Schuld (und es freut sich der Dritte)“.
    In vielen Fällen ist in der Politik diese Logik auch nicht verkehrt, bspw. wenn destruktive Haltungen aufeinander prallen. (Auch schon aus spieltheoretischen Gründen sind diese „Lose-Lose“-Verhältnisse zu vermeiden.)

    Ganz anders sieht es aus, wenn Staaten angegriffen werden, dann ist die wie oben beschriebene Schuldgleichverteilung kontraproduktiv und schädlich, also bspw. wenn Israel terrorisiert wird oder die USA (letzteres kommt zum Glück nicht oft vor). Diese Art von „Lose-Lose“ ist offensichtlich anders zu bearbeiten.

    (Oder, mal hamstermässig kurz zusammengefasst: Wer die Deutschen in die Pfanne hauen will, dabei die gegebenen Argumente bzw. Sachverhalte tendentiell bearbeitet um eine bestimmte Wirkung zu erzielen macht einen ganz ähnlichen Fehler, wie ihn Israel-“Kritiker“ und Antiamerikaner machen. Und zwar für eine „gute Sache“ oder gar aus Prinzip auf Objektivität zu verzichten, gelegentlich unter Berufung auf die oben skizzierte „Problemlösungskultur“.)

  19. Einen hab ich noch! ;)

    Bei der Jungen Freiheit erregt sich eine Doris Neujahr über die „Hetzjagd von Journalisten“.

    Durchaus lesenswert, ein permanenter Webverweis liegt nicht vor, der Artikel kann aber bei der JF Online gelesen werden.

    Interessant fand ich den eher technischen Verweis auf eine Politisierung der Justiz, die möglicherweise in der Tat bereits läuft und so zu sagen angefordert ist.

  20. Ja, es ist schon deprimierend, wie jetzt – nachdem ein rechtsradikaler Hintergrund („PMK-r“) ausgeschlossen ist, neben den ethisch bekanntermassen schwachen Linken auch von den Juden Rücktritts- und andere Forderungen kommen, auf die teilweise unsäglichen Texte will ich nicht eingehen, auch auf das was der Vorsitzende des Zentralrats von sich gab.

    Es ist ja wohl so, dass auf dieser Seite noch alte linksliberale Reflexe greifen, auch wenn die linken ehemaligen Verbündeten meist weggebrochen sind und ins Israel-kritische Lager wechselten und sich wahlweise in Äquidistanz oder Anti-Zionismus üben.

  21. alle nazis sind rassisten. aber nicht alle rassisten sind nazis.

    der herr bürgermeister, ein gelernter ddr-bürger und eine blockpfeife dazu, sagt das, was seine bürger denken und auch erwarten, dass er es sagt *). schließlich, der mann will nochmal gewählt werden.

    so wie der herr seehofer, der auch eben entdeckt hat, dass er stolz drauf ist, deutscher zu sein.

    *) das halte ich für das eigentliche problem: siebzig bis achtzig prozent der bevölkerung des beitrittsgebiets sind rassisten und ausländerfeinde. queerbeet durch alle grupppen und schichten, ganz unabhängig von der politischen orientierung oder wahlentscheidung.

  22. „siebzig bis achtzig prozent der bevölkerung des beitrittsgebiets sind rassisten und ausländerfeinde“

    Das liest sich so als ob da ein NPDler sein Wunschkonzert geniesst.

    „Beitrittsgebiet“, LOL, NPD? Laffoist?

  23. Jetzt beklagt sich auch Milbradt, es habe keine Hetzjadt in Mügeln gegeben, sondern eine auf Mügeln! „Verfolgende Unschuld“ hätte Karl Kraus dazu gesagt.

    Ich schäme mich, gebürtiger Sachse zu sein!


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