Wolfsburg wurde 1938 gegründet, um den deutschen Herrenmenschenfamilien arische Autos zu liefern, mit denen sie Blitzurlaub in den Ostgebieten machen konnten. Noch heute zeichnet sich die Stadt vor allem durch ihre Inselbegabung aus: sie kann Autos bauen. Mehr nicht. Auf Spaß, Kultur und spannende Ecken verzichtet sie, und konzentriert sich ganz auf Reifen, Motoren und Gaspedale. Es folgen ein paar Impressionen aus der Arbeiter-, und Autostadt Wolfsburg.
Kontrovers. Um die neue Wolfsburger Moschee wird heftig gestritten. Rechtspopulisten nennen sie “zu kitschig.”
Klassiker beim Idiotentest: “Wenn Sie dieses Bild mit einem einzigen Wort beschreiben sollten, welches wäre das?” (Tipp: Wer Autostadt sagt, fällt durch.)
Manches ändert sich nie. Die Rassenautomaten waren eine Erfindung der Nazi-Gründerväter. Im Parkhaus sollte jede Rasse rassengerecht zur Kasse gebeten werden. Weil das Preissystem bis heute nicht geändert wurde, hat die EU angemahnt, dass es gegen geltendes Recht verstößt, wenn nicht-Arier für eine Stunde parken 394% mehr bezahlen müssen.
Weil man in Wolfsburg für den Tag X plant, an dem die Fabrik schließen wird, werden systematisch Kaninchen ausgesetzt. Der Grund: Ein Ökonom hat vorausgesagt, dass jedes Autozeitalter von einem Kaninchenzeitalter abgelöst wird. Beweise hat er keine, und Gegenbeweise gibt es nicht, was er zu seinen Gunsten auslegt. “Wir müssen bei denen Sympathiepunkte sammeln, solange es noch geht.”, erklärt er immer wieder.
Wobei in Wolfsburg aber längst nicht mehr nur Autos gebaut werden. Beispielsweise läuft hier gerade die neuste Generation von Rentnern über die Laufbänder einer gläsernen Fabrik.
Willkommen in Wolfsburg! Eine Werbeagentur wurde beauftrag, die klassische Wolfsburg-Postkarte einladender zu Gestalten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. “Wir haben den ICE bewusst als farblichen Kontrast gewählt, das wirkt dynamisch, modern, cool. Mehr durften wir nicht ändern.”
Sogar der Mond leuchtet VW. Es soll Menschen in Wolfsburg geben, die diese Berieselung nicht mehr ertragen können und von Gehirnwäsche reden. Offizielle Stellen dementieren aber, dass es solche “Widerstandsnester, die wir ausräuchern werden”, gibt.
Der alte Streit. Die Fahrgäste fordern seit Jahren eine Verschiebung der Haltestelle um zwanzig Meter. Die Busfahrer sind dagegen. “Ohne Grund, einfach so.”, wie sie betonen. Manchmal stehen sich beide Seiten stundenlang gegenüber, ehe es kalt und dunkel wird, und die Fahrgäste nachgeben.
Zunehmend wird die Autostadt von Touristen entdeckt. Die Schattenseite: Die Weltkugel im VW-Haus verkommt immer mehr zu einem billigen Foto-Gag, ähnlich wie der Schiefe Turm von Pisa. Noch kann der Konzern gegen diese Herabwürdigung mit der Prügelstrafe vorgehen. Doch wenn das VW-Gesetz tatsächlich gekippt wird, ist es auch damit vorbei.

Ironisch nimmt die BILD-Zeitung Bezug darauf, dass Kolumbus beim heutigen Wolfsburg in der Annahme an Land ging, Amerika entdeckt zu haben. Seine Enttäuschung war grenzenlos, als ihm schließlich klar wurde, dass es sich dabei noch nicht einmal um Indien handelte.































